Wie Frank Ocean und Miguel zusammen aufstiegen

Frank Ocean und Miguel sind die zeitgenössischen Gesichter des Alternative R&B und haben mit ihren kreativen Ansätzen und ihrer eigenwilligen Stilrichtung, Klassiker wie Channel Orange oder Kaleidiscope Dream erschaffen.

Den wenigsten ist jedoch bekannt, dass sich ihre Wege kreuzten, lang bevor ihre Gesichter auf Hochglanzmagazinen oder den Grammys zusehen waren. Nachdem Hurrikan Katrina sein Musikstudio im Jahre 2005 zerstört hatte, verließ Frank Ocean New Orleans, um seine Karriere in der Musikindustrie voranzutreiben. Das erste Zusammentreffen der beiden, war in Los Angeles, während sie zusammen an einem Projekt mit den Produzenten Brian Kennedy und Troy Noka arbeiteten. In einem Interview mit MTV erzählte Miguel über Telefonate mit Frank, als dieser noch in Louisiana wohnhaft war und wie sich eine innige Freundschaft zwischen den beiden entwickelte, als dieser nach L.A. zog.

Zu dieser Zeit buhlte Miguel vergebens um die Anerkennung seines Labels. Sein Debütalbum wurde mehrere Male auf Eis gelegt, was dazu führte, dass er weiterhin mit Frank, Brian und Troy zusammenarbeitete.

Frank, der zu dieser Zeit unter dem Synonym Lonny Breaux bekannt war, fokussierte sich auf seine Songwriter-Karriere und schrieb unter anderem für Beyonce, John Legend und später für Justin Bieber. Während Frank hinter den Kulissen arbeitete, schickte Miguels Manager eine Vielzahl an Songs dem Musikmogul Mark Pitts. Nachdem er ein Lied mit dem Titel „Sure Thing“ gehört hatte, war Pitts von Miguels Potential überzeugt und bot ihm im November 2007 einen Plattenvertrag bei Jive Records an.

Miguel, Rich King, Frank Ocean, Brian Kennedy und Troy Noka, 2007

Im Jahr 2008 kam Lonny (Frank) in die Fittiche von Troy Noka und arbeitete ihm fortan als Praktikant zu. Dieser brachte ihm bei, wie man produziert und ermöglichte ihm dadurch, sein erstes Lied an Noel Gourdin mit dem Titel „I Fell“ zu verkaufen.

In einem Interview mit sohh.com erzählte Troy Noka, wie er das erste Mal auf Frank traf:

In Los Angeles, I ended up hanging out with Frank Ocean, Miguel and Dom Kennedy. We all were on the same type of mission which was the music thing. I’ve known Frank since I moved to Los Angeles. That’s like my brother. Miguel’s like my brother. We’re all so close and I feel they’re a real group of guys. I think it’s ironic that we all have our own path. I think everybody’s going to have huge success because we’re all really focused. I’ve been working with Dom lately and we’re putting music together.

Im Jahre 2009 traf Lonny den bekannten Produzenten Tricky Stewart, welcher eine Mitschuld an den erfolgreichen Karrieren von Mariah Carey, Beyonce und Rihanna trägt. Tricky hatte zu diesem Zeitpunkt sein erstes eigenes Label mit dem Namen RedZone kreiert, welches in Partnerschaft mit UMGs Def Jam Records entstanden war. Mit sofortiger Wirkung nahm er Lonny Breaux unter Vertrag, welcher daraufhin seinen Namen in Frank Ocean änderte.

Nach diversen Aufschüben, veröffentlichte Miguel sein Debütalbum All I Want Is You im Jahr 2010. Obwohl das Album in der ersten Woche, eher mäßige Verkaufszahlen einspielen konnte (11.000), wurde es recht gut von der Hörerschaft angenommen. Die Singles Sure Thing und All I Want Is You erreichten in den US Billboard Top 100 die Plätze 36 und 58. Miguel glaubte, dass sein Label die Vermarktung seines Albums versaut hatte, indem sie ihn zu sehr in das Klischee des typischen R&B-Sängers gedrängt hätten. Durch den Frust getrieben, nahm er die weitere Vermarktung selber in die Hand und promotete das Album, indem er als Support für Usher und Trey Songz auf Tour ging.

Während Miguel die ersten kleinen Lorbeeren in Form seiner beiden Singles einstrich, ließ Frank Ocean das erste Mal gesanglich von sich hören. Seine ersten gesanglichen Schritte in der Branche waren zwei Features. Das erste erschien auf dem von Troy Noka produzierten Track „Get my Gun“ von Bishop Lamont. Das zweite war Kent MoNeys „Gotta Be„.

Während Tricky Stewart an Franks Debut-Projekt Nostalgie ULTRA arbeitete, versuchte er ihn bei Def Jam vorstellig zu machen. Tricky sprach mit The Fader über die ersten Reaktionen seitens Def Jam im Bezug auf Frank:

Frank came in with the best intentions of being a great artist to a label. He was looking at it with an open mind. But bringing him into Def Jam was a little bit of a disaster. It was probably, in hindsight, a huge mistake on my part. The label wasn’t motivated by the signing. They didn’t give him the respect that I thought he deserved. I couldn’t really get Def Jam to respond to him the way the way that I wanted them to respond to him.

At the time, with every record I was doing for Def Jam, we were on fire, whether it was Justin Bieber or Rihanna. I’d worked with The-Dream at Def Jam, and he had done extremely well, with Love/Hateand Love vs. Money. So I’m thinking it’s going to be gravy bringing my next guy through. I’m thinking when I bring in my stuff, I’m going to get the love. But it was a complete uphill battle. We were getting stonewalled. The truth is, if it wasn’t for Chris Clancy and the Odd Future team embracing Frank, we may not even know who Frank is today. On the Def Jam side, I couldn’t get nobody to pay attention to him.

Dies führte schließlich zum Untergang von Franks Beziehung zu Tricky, da er sein ursprüngliches Versprechen nicht einhalten konnte. Die Lage spitzte sich zu, mit Def Jam, welche Frank ignorierten und Nostalgia Ultra als nicht vermarktbar betrachteten, fühlte er sich, als wäre er nicht gewollt oder gebraucht. Die logische Konsequenz war, es selbst zu veröffentlichen, um die eigene Karriere in Gang zu bringen.

Am 16. Februar 2011 veröffentlichte Frank Ocean „Nostaliga, ULTRA“ kostenlos auf oddfuture.com. Die Resonanz war durchweg positiv. Nach dem Erfolg von Nostalgia Ultra schrieb Frank „I Miss You“ für Beyonces Album „4“ und hatte einen Gastauftritt auf Kanye Wests & Jay-Zs „Watch The Throne“.

Mit den Augen der Musikindustrie auf ihn gerichtet, welche auf seinen nächsten Schritt warteten, verlangte Frank eine Million US-Dollar von Def Jam, für sein Debütalbum. Anschließend stellte Def Jam ihm eine Villa in Kalifornien zur Verfügung und finanzierte das, was heute als „Channel ORANGE“ bekannt ist.

Still grinding with my day ones #NostalgiaUltra #frankocean #bday #endless #scorpioseason

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Am 4. Juli enthüllte Frank seine erste Liebe zu einem anderen Mann und 6 Tage darauf, veröffentlichte er seinen kommerziellen Durchbruch mit 130.000 verkauften Exemplaren in der ersten Woche. Das Album gilt als eines der besten Projekte der letzten Jahre und konnte mit seiner eigenwilligen Stimmung und dem Storytelling, eine Vielzahl an Kritikern überzeugen.

Drei Monate später, im Oktober 2012, veröffentlichte Miguel sein zweites Album „Kaleidoscope Dream“, diesmal von einem neuem Label vermarktet und finanziert. Miguel kehrte mit einem exzentrischen und opulenten Stil zurück, welcher ihn 71.000 Exemplare in der ersten Woche verkaufen ließ.

Im November 2012 gab Miguel ein Interview, welches auf einen Streit zwischen den beiden hinweisen könnte:

Miguel says he and Frank Ocean, who moved to LA in 2005, were once close, but he would not discuss their relationship on the record.

Drei Monate später, war die Grammy-Verleihung im Jahr 2013, das erstmalige öffentliche zusammentreffen der beiden, nach längerer Zeit. Beide Projekte gehörten zu den besten der letzten Jahre und waren in der Kategorie bestes Urban Contemporary Album nominiert – welches Frank gewann. Miguels „Kaleidoscope Dream“ wurde für 3 Grammys nominiert, während Frank Ocean’s „Channel Orange“ für 5 nominiert wurde.

Während Franks Abwesenheit im Scheinwerferlicht veröffentlichte Miguel sein drittes Album „Wildheart“ (2015). In einem damaligen Interview mit The Fader negierte er jede mögliche Beziehung zu Frank:

I wouldn’t say we were friends. To be completely honest – and no disrespect to anyone – I genuinely believe that I make better music, all the way around.

Im Sommer 2015 gab Miguel in London ein Interview an einer Hotelbar. Der Zufall wollte es, dass Frank Ocean, welcher 2013 von Los Angeles nach London gezogen war, zufällig auf einen Kollegen traf, mit dem er 10 Jahre zuvor seine Musikkarriere ins Rollen gebracht hatte.

Im Oktober 2017 beteuerte Miguel, dass er die damaligen Äußerungen bezüglich Ocean bedauere. Troy Noka, welcher eine wichtige Rolle bei Franks Aufstieg spielte (und Endless produzierte) arbeitet immer noch mit ihm zusammen und wurde zuletzt mit ihm im Studio gesehen.

Was auch immer zwischen den beiden vorgefallen ist, es bleibt ein Mysterium. Die beiden haben vor 10 Jahren im sonnigen Kalifornien angefangen, ihr kreatives Ich zu entfalten und sind nun musikalische Gleichgesinnte ohne einen Hauch von Wiedervereinigung.

Source: Habeel J.