Von Future bis Lil Uzi Vert: Die Sterne am Rap-Himmel sind depressiv

Musik war schon immer die ehrlichste Ausdrucksweise von Emotionen. Oft sind die Dinge, die wir nicht in Worte fassen können, in einem Lied so schön gesungen oder gerappt, dass wir davon ausgehen, dass der Künstler unsere Lebenssituation beschreibt oder vor Augen hatte, als er das Lied verfasste. Wir verherrlichen die Künstler, die wir lieben – wir vergöttern sie sogar. So lässt es sich auch nicht umgehen, dass wir uns bei fast jedem Wort, emotional angesprochen fühlen.

Der Weg zu unseren Idolen ist dank Instagram, Snapchat und Twitter nicht weit. Dieser ständige und leichte Zugang zu unseren geschätzten Künstlern, macht es uns einfach, unser Selbstbild dem des vermeidlichen Vorbild anzugleichen.

Musiker benutzen ihre Musik als Ventil. Ihre tiefsten Emotionen sprechen durch ihre Kunst, während wir fröhlich mitsingen und nicht immer begreifen, dass diese Emotionen und Gefühle, sehr real für diesen Künstler sein können.

Mit dem Restvolumen unsere Lunge singen wir Lil Uzi Verts Hit-Single “XO Tour Llif3” mit:

She said I’m insane yeah, I might blow my brains out. Xanny for the pain yeah, please Xanny make it go away.

Ein Song der überall in den Clubs und Streaming-Playlisten läuft. Jedoch nehmen wir den Fakt missbilligend in Kauf, dass Uzi den Schmerz über seine vergangene Beziehung mit dem Medikament Xanax betäubt, während er darüber schwadroniert, sich das Leben zu nehmen.

Wann wurde es cool, depressiv zu sein?

Es ist ungerecht, die Schuld bei den Künstlern zu suchen, welche keinen Einfluss darauf haben, wie ihre Arbeit aufgefasst wird. Sie machen die Musik, die sie machen wollen, mit der Redefreiheit, die ihnen zusteht. Jedoch müssen wir die Tatsache anerkennen, dass Jugendliche – welche ein Großteil der Zielgruppe dieser Künstler ausmacht – eher den Drang zum nacheifern verspüren. Das gehörte wird als cool empfunden und in das eigene Leben adaptiert. Es ist ein zweischneidiges Schwert, dass Thematiken wie Depressionen und Einsamkeit, die Spitze der Musik dominiert.

Rapper sind die neuen Rockstars. Sie sind berüchtigt und wir wollen wie sie sein. Wir wollen die Dinge machen, die sie tun. Wir eifern ihren Social Media Auftritten nach und verfolgen so gut wie jeden ihrer Schritte. Wir schmücken uns mit dem Gewand der fremden Federn, so das wir vergessen, wer wir sind und was wir eigentlich sein wollen. Stattdessen bauen wir ein falsches Bild auf einem bröckligen Fundament, mit der Hoffnung, irgendwann so beliebt zu sein, wie die Künstler die wir anhimmeln.

Es ist kein Zufall, dass Xanax, ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Behandlung von Angst und Panikattacken, immer mehr an Popularität dazu gewonnen hat. So wird es schon seit Jahren in den Texten der Popkultur, besonders im Hip-Hop angepriesen. So sang Brockhamptons Ameer Vann: “Swallow all these downers let these problems melt and drown me. Just drown me. JUST DROWN ME” oder in Uzis Worten: “I’m committed not addicted but it keep control of me, all the pain now I can’t feel it, I swear that it’s slowing me”. Weder Vann, Future noch Uzi zwingen ihr Publikum dazu, ihre Einsamkeit nachzueifern oder sich eine Xanax einzuwerfen. Trotzdem passiert es und man sollte das thematisieren.

Wenn The Weeknd singt “I always fuck my life up”, klingt ein solch negativer Lebensumstand, gar nicht mehr so negativ. Es singt immerhin The Weeknd – wer sich die weiblichen Fans auf seinen Touren anschaut, mag ahnen worauf ich anspiele. Die Liste lässt sich endlos weiterführen. Nehmen wir beispielsweise den Künstler Father mit seinem Song „Suicide Party“.

Erwachsene sind leicht zu beeinflussen, von Jugendlichen ganz zu schweigen. Die Musik die wir hören beeinflusst uns, vor allem, wenn wir sie passiv in unser inneres Rechenzentrum einwirken lassen, indem wir solche Texte mitsingen, ohne das uns wirklich bewusst ist, was wir da eigentlich mitsingen.

Unzählige Studien haben bewiesen, dass Musik unsere Stimmung und unsere Gedankengänge beeinflussen kann. Das heißt nicht, dass wir aufhören sollten, Musik mit dunkleren Thematiken zu hören. Schließlich können Traurigkeit, Verzweiflung und Trauer ein Grundstein für wirklich gute Musik sein. Anstatt aber passiver Zuhörer zu sein, sollten wir anfangen, wieder aktive Zuhörer zu werden.

Wir müssen uns nicht nur bewusst sein, was wir hören, sondern auch, warum wir es so gerne hören. Erkenntnis ist immer der erste Schritt.