Portrait: Rapper SahBabii verpackt Kriminalität mit sanfter Stimme

Im Rahmen der Atlanta-Woche auf Znova, habe ich mich mit dem Newcomer SahBabii auf Skype unterhalten. In einem Georgia untypischen Oxford Englisch, ließ ShaBabii den unvorhersehbaren Hype, rund um seine Hit-Single „Pull Up Wit Ah Stick“ Revue passieren und gewährte mir Einblicke in sein Leben, welches durch das Internet völlig auf den Kopf gestellt wurde.


 
SahBabiis „Pull Up Wit Ah Stick“, war einer der besten Hip-Hop-Songs des vergangenen Jahres. Der Track ist ein Absurdum an Kontrasten, voller Guntalk und Kriminalität, abgeschmeckt mit einer sanften, fast schon naiv klingenden Stimme.

Vor sechs Monaten veröffentlichte SahBabii (ausgesprochen Sah-bay-bee), sein drittes Mixtape „SANDAS“ und entschied sich dazu, dass Rap-Game komplett hinter sich zu lassen, sollte das Mixtape nicht zur völligen Eskalation auf Sozialen Netzwerken führen. Zwei Wochen nach der Veröffentlichung seiner Platte, verlor er seinen Job als Regaleinräumer bei einem Sportartikel Warenhaus.

Glücklicherweise entwickelte sich das Zugpferd der Platte „Pull Up Wit Ah Stick“ zu einer kleinen, viralen Sensation, nachdem der Teenager aus Atlanta ein Snippet auf Instagram veröffentlichte. “I just kept seeing it on the explore page and comments with the fire emojis” erinnert er sich.

Was folgte war eine Reise voller Kontraste: Seine erste Show, spielte er in New York an der Cornell University. Der Saal war bis zum letzten Platz mit Mode-Studenten gefüllt, ihm offenbarte sich ein Meer aus den verrücktesten Haarfarben – die Aufnahmegebühr der Universität beträgt gerade mal läppische $43.185. Mona Scott-Young, Musikmanagerin und Medien-Mogul stand den ganzen Abend bei SahBabiis Vater und tauschte sich intensiv mit ihm aus. Am nächsten Abend spielte er in einem Stripclub, mitten im Herzen von Brooklyn.

Diese unvorhersehbare Gegensätzlichkeit war ein Beweis dafür, wie schnell das Internet, den Geschmack der Jugend und das Leben eines Künstlers neu gestalten kann. Noch vor ein paar Jahren hatte der Hip-Hop ernsthafte Probleme, seinen Platz in dem Mainstream zu finden. Die Viralität hat all das geändert und erlaubte Künstlern wie Rae Sremmurd und den Migos No. 1 Platzierungen in den Billboard Charts. Sie fungierte als Sollbruchstelle zwischen aufstrebenden Künstlern wie SahBabii und einem breiten Publikum, einschließlich Mode-Studenten aus N.Y., von denen SahBabii ursprünglich befürchtete: “When I first gazed upon them, I was worried. They ain’t really listen to rap”.


 
SahBabii wurde als Saaheem Valdery in Chicago geboren und wuchs in den Wentworth Gardens Projects auf, bis er mit 13 Jahren nach Atlanta zog. Er bewunderte lokale Rapper wie Young Thug und Cash Out. Inspiriert von einer Generation an jungen Atlanta-Rappern – viele von ihnen waren noch Teenager: Rich Kidz, Polo Boyz, Money Savage – machte SahBabii seine ersten schritte im Rap-Game.

That’s what made me want to get into it more, ’cause I seen kids my age doing this. Versus when I was in Chicago, younger, it wasn’t really no fun. It was gangbanging and whatever going on.

Er veröffentlichte zwei Mixtapes “Pimpin Ain’t Eazy” und “Glocks & Thots”, welche wenig bis gar keine Beachtung generierten und sein Selbstvertrauen ordentlich in die Mangel nahmen.

I was stressed out. I hit a dead spot, I was smoking a lot, cigarettes and weed. I was real depressed.

Die meisten Songs auf „SANDAS“ wurden nach einer langen, musikalischen Abstinenz aufgezeichnet, wobei das Produktionsprogramm Cubase im Schlafzimmer seines Bruders mit einem defekten Mikrofon verwendet wurde. Die Beats, langsam und traumhaft, wurden von YouTube gezogen, sein Bruder T3 mischte die Songs ab und gab ihnen den letzten Feinschliff.

SahBabiis Karriere ist reines Familien-Business. Für den Trip nach New York, reiste er mit einer großen Entourage an, welche ausschließlich aus seiner Familie bestand: Sein Vater, Delval, der sein Manager ist; seine Mutter Kimberly; sein Bruder T3 und ein paar Cousins aus Chicago.

Als sie es sich noch nicht leisten konnten, CDs pressen zu lassen, druckten sie Visitenkarten mit einem Barcode auf der Rückseite, welcher zum Download des Mixtapes führte. Papa Delval kündigte seinen Job als Installateur bei MARTA, dem öffentlichen Naheverkehrssystem von Atlanta, um die Vision seines Sohns zu verwirklichen. Vater und Sohn führen nun zusammen die selbst gegründete Produktionsfirma „Casting Bait Music Group“ – welche sich die Marke “pull up wit ah stick” hat sichern lassen.

“I knew people was gonna have something to say” sagte SahBabii mit dem Verweis auf de Namen des Unternehmens. “But you wanna bait ’em in, so we knew that was gonna bait ’em in”.