NAV und das N-Wort

Es sind Künstler wie Drake oder The Weeknd, welche als Aushängeschild der ethnischen Vielfalt von Toronto fungieren. Mithilfe ihrer Musik, schwenken sie die Scheinwerfer auf die kulturelle Vermischung zwischen jungen Menschen mit unterschiedlicher ethnischer Herkunft.

Sie sind das Fundament für Künstler wie Ramriddlz, “an Egyptian kid from outside Toronto who winds up singing dancehall songs”. Dieser soziologischen Mixtur entspringt auch NAV, seines Zeichens Rapper und Produzent mit indisch-pandschabischer Abstammung. Mithilfe eines Feature-Parts auf Travis Scotts „Biebs In The Trap“, legte der 27-jährige den ersten Grundstein für seinen Erfolg. Es folgte ein Shout out von Kylie Jenner, die Veröffentlichung seines selbst betitelten Debüt-Album „NAV“ via The Weeknds Label „XO Records“ und ein Auftritt bei dem Coachella Festival.

Ziemlich beeindruckende Errungenschaften für einen doch relativ unbekannten Künstler. Jedoch bin ich sicherlich nicht der erste, der bemerkt hat, wie offen NAV, auf Tracks wie “Biebs In The Trap”, “My Mind” oder “TTD”, dass Wort „Nigga“ benutzt. Signifikant sind ebenfalls seine von Autotune durchzogenen Texte, welche Größtenteils aus selbst-besessenen Gedanken bestehen.

Er bezeichnet sich selber als „brown boy“, was mit Rücksicht auf den Toronto-Kontext, speziell auf eine Person südasiatischer Abstammung zurückzuführen ist. Sein Ursprung ist das Viertel „Rexdale“, bekannt für seine historische Arbeiterklasse, bestehend aus karibischen, afrikanischen und südasiatischen Einwanderern. Die Abwesenheit der ursprünglichen Traditionen, veranlasste ein Großteil der hybriden südasiatischen Identität dazu, Vorbilder und Adaptionen in der schwarzen Kultur zu suchen.

Es ist nicht das erste mal, dass Rap die Diskussion rund um die N-Wort Kontroverse angeregt hat. So beendete das Wort, die Karriere von Kreayshawn und auch Rapper wie French Montana, Fat Joe oder DJ Khaled wurden mehrfach für ihre Nutzung gerügt.

Diese Kontroverse über die Beurteilung, wer dieses N-Wort nutzen darf und wer nicht, gleicht einer niedrig hängende Frucht in einer großen Debatte über die Unterdrückung: Es ist viel zu einfach zuzugreifen.

Ich bin der Meinung, dass diese Wort nicht von nicht-schwarzen Leuten benutzt werden sollte. Gerade in NAVs Musik, fühlt es sich fremd an, wie der kümmerliche Versuch eines Jugendlichen nach Zugehörigkeit. Mir ist durchaus bewusst, dass ein paar kritische Stimmen auf Twitter nichts ändern werden, solang NAV trotz seines Vokabulars, finanziell und sozial dafür belohnt wird.

Es macht also Sinn darüber nachzudenken, inwiefern die heutige Popmusik sich verändert hat. Die Tatsache, dass ein nicht schwarzer Künstler, welcher bei einen der größten schwarzen Popmusiker unter Vertrag steht, rassistische Begriffe mit in seine Arbeit einfließen lassen kann, ist doch ein wenig obskur.

Es ist schlichtweg noch zu früh, um ihn als gestandenen Künstler zu betrachten, jedoch verdeutlichen Texte wie: “Now I pay nothin’ for my sneakers ‚cos I’m Nav”, in welche Richtung seine Karriere geht. Die südasiatischen Minderheiten in den USA, U.K. und Kanada, wünschen sich schon seit geraumer Zeit ein fulminantes Sprachrohr in der Hip-Hop Szene. In NAV haben sie einen ernst zunehmenden Anwärter gefunden.

Trotz des Mangels von südasiatischen Künstlern in den westlichen Gefilden der Popkultur, sollte man NAVs Texte nicht einfach so hinnehmen. Begriffe die eng mit Kolonisation und der amerikanischen weißen Vormachtstellung verbunden sind, sollten weder finanziell noch mit Anerkennung belohnt werden. Das N-Wort in NAVs Musik, ist sein Ausdruck, die Nähe zu einer Erfahrung zu suggerieren, die letztlich nicht gleichwertig ist.

Ohne irgendwelche Parameter zu arbeiten, zeichnet das Bild eines suchenden Teenagers, aufgehangen auf dem Flur einer kanadischen Highschool. NAV fasst dies ganz gut mit folgender Textpassage zusammen: “First brown boy to get it poppin”. Es ist legitim das er verschiedene Dinge ausprobiert, um herauszufinden, was eigentlich seine musikalische Identität ist. Vielleicht ist es sogar der wahre Weg seine Musik auf eine einzigartige Weise relevant machen – wer weiß?

Jegliche Kommentare und Interviews bezüglich dieser Thematik blockt NAV jedoch entschieden ab, in der Hoffnung dass diese Angelegenheit einfach vergessen wird – wie die meisten Sachen im Internet.