More Life: Eine Ode an das Leben

Ist es ein Album? Ist es eine Kompilation?! Nein, es ist “More Life”. Drakes neustes Werk ist eine zukunftsorientierte Playlist die zum Nachdenken anregt. Doch was verbirgt sich hinter der Phrase „More Life“?

Wir alle sind bestrebt das zu tun, was wir für richtig halten. Doch die Gesellschaft in der wir verkehren, lässt Individualismus nur in einem gewissen Maß zu. Verglichen mit meinem sozialen Umfeld, kann ich bisher auf ein recht erfülltes Leben zurückschauen. Natürlich gehören auch äußerst negative Erfahrungen zu meiner Lebensgeschichte – wie bei den meisten von euch auch.

Diese Rückschläge erinnern uns daran, dass das Leben ein zweischneidiges Schwert ist. Besonders dann, wenn wir das Glück zu lange beansprucht haben. Auf dem Track „Can’t Have Everything“ ist eine Voicemail von Drakes Mama zu hören, in der es wie folgt lautet:

I’m a bit concerned about this negative tone I’m hearing in your voice these days, that attitude will just hold you back in this life.

Diese Voicemail beendet sie mit einem berühmten Zitat von Michelle Obama.

When others go low, we go high.

Es ist ein Appell an die Wertschätzung gegenüber den eigenen Fertigkeiten und den schönen Erlebnissen im Leben. Zu oft befinden wir uns in einem metaphorischen Käfig, bestehend aus materiellem Reichtum, welcher uns eine illusorische Vorstellung von Glück und Erfolg vorspielt. Wir sind gefesselt in Ketten, bestehend aus Angst und Zweifel. Sie hindern uns daran, unsere Komfortzone zu verlassen und fördern das stets nickende Arbeitstier in uns.

Mit „More Life“ hat Drake ein buntes Potpourri angerührt, welches sich aus den feinsten Zutaten aus der ganzen Welt zusammenstellt. Dies ist einer der Gründe, welches seine Playlist – nicht Album – so eingängig und zugleich einzigartig macht. Mit der Entscheidung, dieses Projekt als Playlist zu veröffentlichen, hat Drake einen prägenden Schritt in die zukünftige Entwicklung von Musikpublikationen gemacht.

Musik-Streamingdienste wie Spotify legen vermehrt ihr Hauptaugenmerk auf redaktionell veröffentlichten Playlists, welche auf  diverse Stimmungen und Geschmäcker wie „Good Vibes“ und „Rap Caviar“ zugeschnitten sind. Ihre Top-Playlists haben Millionen von Anhängern und sind zunehmend eine entscheidende Komponente bei der Chartplatzierung von Songs wie „Bad and Boujee“ oder “ iSpy“. Alle großen Streaming-Dienste haben bekannte Künstler (und Barack Obama) dazu eingeladen, ihre eigenen Playlisten auf den jeweiligen Plattformen zu veröffentlichen – obwohl die meisten so vermuten lassen, dass hinter der Playlist ein PR-Team steckt.

Natürlich ist More Life eine Ansammlung von Tracks, welche hauptsächlich von einem Künstler kommen und gleicht somit auch den Charakteristiken eines Albums. Jedoch gelingt es diesem Projekt mit seinen lebensbejahenden Texten und den U.K. Einflüssen, eine spielerische Leichtigkeit und zugleich eine tiefe persönliche Note zu vermitteln. Vergleichbar mit einem Reisetagebuch oder eine selbst gebrannte CD für einen Roadtrip.

Drake beschrieb es in einem Interview mit The Fader aus dem Jahre 2015 ganz gut:

I’m really trying to make music for your life.

Es sind manchmal die kleinen Dinge, die wir ganz unbewusst als schlechte Angewohnheit verinnerlicht haben. Ich merke es des öfteren an mir selber. So weiß ich schon gar nicht mehr, wann ich das letzte mal einen Film über die volle Länge aktiv mitverfolgt und mental verarbeitet habe. Wenn nicht gerade jemand brutal ermordet wurde oder etwas explodiert, klebt man größtenteils an seinem Smartphone und scrollt stupide herum.

Drakes „More Life“ ist ein Appell, dass eigene Potential bewusster zuleben. Mir wurde klar, dass ich in meinem Leben Unglaubliches erreichen will und dass es mir immer schwerer fällt die Gesellschaft, so wie sie heute ist, zu akzeptieren. Jedoch möchte ich dafür nicht zum arroganten Arschloch werden. Diese Haltung verführt mich sehr oft. Es ist einfacher mit Missachtung gegenüber Drittmeinungen sein Ziel zu erreichen. Nett sein braucht Arbeit. Weswegen ich emphatische Persönlichkeiten außerordentlich schätze.

Abseits dessen kann diese Projekt auch als Vorreiter für die neue Ära der digitalen Publikation angesehen werden –  Ein künstlergetriebenes Format für das veröffentlichen von Inhalten, im Zeitalter der Streaming Ära. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie sich das Playlisten-Modell von More Life in der Zukunft entwickeln könnte. Ein Album wird in Echtzeit veröffentlicht und mit Updates seitens des Künstlers immer weiter gespickt. Darunter Songs von Kollegen, ohne sich mit lästigen Label-Konflikten konfrontiert zusehen.