Interview mit KUSO GVKI

Wenn Musikproduzenten wie Pharrell Williams oder Madlib langsam die magische Grenze von 45 Jahren überschreiten, kann das schon dem einen oder anderen Fan die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Jedoch steht der Nachwuchs schon in den Startlöchern und scharrt gehörig mit den Hufen. In diesem ganz speziellen Fall, handelt es sich um den 16-jährigen Kuso Gvki, welcher ungeachtet seines Alter, ein ziemlich gutes Gespür für die Erstellung von interessanten Sounds aufweist. Diesen Namen werden wir sicherlich nicht das letzte mal gehört haben.

Stell dich uns doch kurz vor!

Hi, ich bin KUSO GVKI. Ich mache Musik und ich zeichne. Und manchmal singe ich unter der Dusche.

Wo bist du gerade? Beschreibe deine Umgebung.

Zuhause im Wohnzimmer. Meine Mutter auf der Couch, mein Vater auf dem Balkon am Pflanzen gießen.

Es ist bewundernswert, dass du mit deinen 16 Jahren, so gut wie gar nicht auf sozialen Medien präsent bist. Ist das eine bewusste Entscheidung deinerseits?

Schon. Ich mag Technik, die das Leben einfacher und nicht komplizierter macht… außerdem habe ich keine Lust mein life so krass zu exposen. Ich möchte meine Kunst präsentieren. Meine Musik und meine Bilder. Da reichen mir Soundcloud und IG.

 

Immer wieder fällt das Wort „Wunderkind“, wenn man deinen Namen in jeglichen Hip-Hop Online-Magazinen wieder findet. Fällt es dir da schwer auf dem Boden zu bleiben?

Das macht natürlich ne schöne Headline aber letztendlich hoffe ich natürlich, dass die Leute auch wirklich die Musik feiern. Wenn ich dann mal erwachsen bin und kein Schwanz interessiert sich mehr für meine Musik, das wär schon enttäuschend.

Lass uns über dein gleichnamiges Debütalbum „Kuso Gvki“ reden. Wie kam der Name zustande?

Kusogaki ist Japanisch und heißt Scheißkind. Hat meine Mutter immer gesagt, wenn ich frech war… ganz einfach eigentlich.

Was denkst du, tun die Leute, während sie deine Platte hören?

Sicher den einen oder anderen Stick rauchen.

Gab es irgendwelche signifikanten Lebensereignisse, die während der Aufnahme des Albums auftraten?

Mein Vater hat den Krebs überlebt, das war schon signifikant.

Inwiefern hat dein kultureller Hintergrund Einfluss auf deine Musik?

Auf “305” habe ich eine japanische Insen Skala benutzt und auf “Money & Fame” habe ich ein japanisches Game gesampled. In diesem ganzen Soundcloud Producer und Vapourwave-Game ist diese japanische Ästhetik ja schon auch sehr präsent aber super dominant ist mein background für meine Musik jetzt glaube ich nicht…

Dein Track/Beat „Love You“ ist eine Homage an eine unerwiderte Liebe. Meinst du man kann über Dating-Apps wie Tinder & Co, die echte Liebe finden? Nutzt du solche Apps selber?

Klar, warum sollte das nicht gehen? Sicher sind diese Apps jetzt nicht primär darauf ausgerichtet. Manche Leute behaupten ja Tinder killed the love. Das halte ich für Schwachsinn. Ich glaube eher, dass ältere Generationen mit einem sehr idealisierten und romantischen Bild von Liebe aufgewachsen sind. Meine Generation glaubt den Scheiß einfach nicht mehr. 90 Prozent der Eltern meiner Freunde sind geschieden. In Hollywood waren alle schon 5 mal verheiratet, wie soll man das noch glauben?

Außerdem findet eine zunehmende Individualisierung der Gesellschaft statt. Das schafft mehr Raum für Differenzen. Wenn man morgens in die Fabrik geht und die Frau putzt die Wohnung und von Selbstbestimmung dies das hat man noch nie was gehört, was soll es da für Differenzen geben? Das ist eben bei uns anders… da hat man kein Bock mehr auf die Alte, wenn die Waka Flocka nicht feiert und sucht sich ne neue…

Gibt es neben „Love You“ noch einen Track, der eine ganz besondere Bedeutung für dich hat?

Ich habe letztens einen Track mit meiner Mutter aufgenommen… der ist aber noch nicht fertig.

Gibt es einen Künstler, egal ob tot oder lebendig, für den du unbedingt mal produzieren wollen würdest?

KNLO fände ich nach wie vor spannend.

Das Video zu „Cinnamon“ und der Track an sich, liefern schon gewisse Andeutungen: Spielen bewusstseinserweiternde Mittel, eine große Rolle bei deiner Arbeit?

Ich bin 16. Bewusstseinserweiternder stuff kann ruhig noch warten. Außerdem hätte ich viel zu viel Angst, dass ich dann nur noch high
produzieren kann… wenn Rapper aufhören zu Kiffen werden die doch auch immer scheiße.

Im vergangenen Monat hast du einen Remix zu Stand High Patrols „Ruckus“ veröffentlicht, welcher recht traplastig war. Werden wir in Zukunft, mehr in diese Richtung zuhören bekommen?

Ich denke nicht. Ich fick eigentlich gar nicht mit diesem Großraum Trap style. Kam eher aus so ner Laune heraus. So bassmusic und garage finde ich gerade viel interessanter.

Wer sind die Leute, die dir dabei geholfen haben, das zu erreichen, was du bis jetzt erreicht hast?

Meine Eltern. Meine Homes und natürlich die Jungs aus der Schaft, die sich wirklich krass für mich ins Zeug gelegt haben.

Auf deinem Instagram Account präsentierst du einige deiner Zeichnungen. Was macht dir mehr Spaß: produzieren oder das zeichnen?

Eine gemeine Frage. Das ist ja wie als würdest du deine Mutter fragen, ob sie dich oder deine Schwester lieber hat…

In einem kurzen Vorgespräch, hast du bereits dein nicht all zu großes Interesse an Deutschrap kund getan. Was fehlt der aktuellen Deutschrap-Szene, deiner Meinung nach?

Rap ist wieder krass Mode. Es gibt einfach wahnsinnig viele Idioten die auf irgendeinen Zug aufspringen. Wenn dann noch jemand die richtigen Hebel bedient chartet der Scheiß dann auch noch. Oh wie originell, ein Song über Kokain…. Gut gemacht ist das natürlich alles aber es klingt eben vieles gleich. Das ist in Amerika eigentlich nicht groß anders. Rap ist eben keine Subkultur mehr sondern Mainstream und dadurch mangelt es meiner Meinung nach oft an Innovation… trotzdem gibt es da mehr Artists, die sich abheben, finde ich… und die Amis geben immer noch den Trend vor…

Welches Gericht kannst du besonders gut kochen und welches Nahrungsmittel würdest du dir tätowieren lassen?

Ich habe ein nices Oden Eintopf Rezept von meiner Mutter. Niemals würde ich mir Nahrungsmittel tätowieren. Gut, vielleicht eine Eiswaffel ins face.

Wo suchst du nach Inspiration und neuen Ideen?

Filme finde ich sehr inspirierend. Hin und wieder auch ein Buch aber das ist mir meistens zu anstrengend. Und andere Musik natürlich. Und auch viel alltägliche Situationen. Städte. Städte sind auch krass. Wenn ich in einer neuen Stadt gewesen bin komme ich meistens zurück nach Hause und mache erst mal einen neuen Beat. Das ist einfach so viel Input. Die Architektur, die Kultur die Menschen, die Subkultur etc. Das ist so das full package an Impressionen.

Was sind deine Pläne für 2017?

Ich werde vielleicht für den ein oder anderen Rapper mal ein Beat beisteuern und würde dann gerne im Herbst mit einem neuen Soloprojekt anfangen.