Homophobie und Hip Hop: Gegenwart und Vergangenheit

Auch wenn es schon einige Wochen her ist, beschäftigte mich dieses Thema mehr, als das ich es mir eingestehen wollen würde. Nachdem iLoveMakonnen vor mehreren Wochen, dass offensichtliche aussprach und sich öffentlich als schwul outete, wurde dieses größtenteils wohlwollend aufgenommen. Jedoch fand dieses Statement augenscheinlich keinen Anklang bei der Rap-Gruppierung Migos. „That’s because the world is fucked up.“ und „That’s whack, bro.“ waren die prägnantesten Äußerungen seitens Migos, zu dem Coming Out von iLoveMakonnen.

Es dauerte nicht lange, bis Migos die getätigten Aussagen wieder relativierten. Ihre wahre Gesinnung gegenüber Homosexuellen, können wir jedoch nur erahnen. Doch wie werden Menschen eigentlich homophob?

Ein entscheidender Faktor dafür ist natürlich die Erziehung. Schon früh werden Kindern in meist konservativen Haushalten beigebracht, dass Homosexualität eine Sünde sei. Für viele Menschen ist „anders sein“ schlecht und Grund genug, um über andere zu spotten oder sie abzulehnen.

Kanye West brachte es in einem Interview auf den Punkt:

Yo, you actin’ like a fag. Dog, you gay?’ And I used to deal with that when I was in high-school and it made me kind of like homophobic ’cause I would go back and question myself… if you see something and you don’t want to be that because there’s such a negative connotation toward it, you try to separate yourself from it so much that it made me homophobic by the time I was through high school. Anybody that was gay I was like, ‘Yo, get away from me.

Es lässt sich nicht leugnen, dass die LGBT-Community heutzutage immer noch als Zielscheibe für Hass und Spott fungiert. Jedoch hat die Vergangenheit gezeigt, dass auch in einem latent homophoben Genre, wie es der Hip-Hop nun mal ist, auch einige Lichtblicke existieren.

Einer der ersten Fälle der Homophobie in diesem Genre, konnte im Jahre 1986 verzeichnet werden. Die Beastie Boys veröffentlichten zu dieser Zeit ihr Debüt Album „Licensed to Ill“. Ursprünglich sollte dieses Album jedoch unter dem Namen „Don’t Be A Faggot“ veröffentlicht werden. Columbia Records legte letztendlich ein Veto ein und der Name wurde nie freigegeben.

13 Jahre später schrieb Ad-Rock einen Brief an die Time Out New York, um sich offiziell für die schwulen feindlichen Äußerungen zu entschuldigen, die sie damals auf dem Album getätigt hatten. Fantasieren wir ein wenig darüber, wie dieser Titel den Verlauf ihrer Karriere beeinflusst hätte: Wäre es ihnen zugute gekommen? Hätte es einen negativen Einfluss auf ihren Ruf gehabt?

Wir befinden uns immer noch im Jahr 1986. Es ist ein kalter Novembertag und Will Smith performt den Song „Live At Union Square“ in New York auf dem Union Square. Ein weiterer markanter Moment der Homophobie im Hip-Hop, kommt in seinen Texten zu tragen:

All the ugly people be quiet / All the filthy, stinky, nasty people be quiet / all the homeboys that got AIDS be quiet / all the girls out there that don’t like guys be quiet.

Natürlich hatte diese Line keinen großen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Rap-Geschichte, jedoch ist es interessant zu sehen, wie geläufig solche Texte in  Hip-Hop-Songs waren. Welche Schlagzeilen eine solche Line heutzutage auslösen würde, wenn sie von einer Größe wie Drake, Kendrick oder Kanye ausgesprochen worden wäre, ist schirr undenkbar.

Auch Rap-Ikonen aus den späten 80er und 90er Jahren zeigten eine ähnliche Gesinnung auf. Auf dem Track „Nobody Move“ von Eazy-E offenbart dieser, das die Frau, welche Er zu vergewaltigen gedenkt, in Wirklichkeit ein Mann ist:

The suspense was making me sick / She took her panties down and the bitch had a dick! / I said: „Damn“, dropped the gat from my hand / (What I thought was a bitch, was nothing but a man) / Put the gat to his legs, all the way up his skirt / Because this is one faggot that I had to hurt.

Sogar progressive Gruppierungen wie beispielsweise A Tribe Called Quest verfielen dem homophoben Klischee. Auf dem Track „Georgie Porgie“ lautet es wie folgt:

Even wore a dress and on his face he had swine / He cipher monkey cipher, you fucking faggot / Couldn’t wait for gay parade so you can drag it / George used to flip, went from hitting skins to sucking nigga’s dick / George better get a grip.

Doch auch A Tribe Called Quest entledigte sich irgendwann dieser Denkweise. Mit „We The People“ kritisierten sie Donald Trumps Einstellung gegenüber Minderheiten – Schwarze, Mexikaner, Muslime und Schwule.

Haben sie ihre Meinung über die Jahre hinweg geändert? Wahrscheinlich. Hip-Hop, sowie die ganze Welt, hat sich mit der Zeit zwangsläufig verändert. Heutzutage wird die LGBT-Community von den meisten Leuten als normaler Bestandteil der Gesellschaft akzeptiert.

Müsste ich einen repräsentativen LGBT-Künstler der Moderne wählen, wäre es wohl ohne Zweifel Frank Ocean. Franks Geschichte ist eine relativ bekannte: Er war einer der ersten R&B-Künstler – einem Genre, das traditionell heterosexuell ist – der sich öffentlich outete. Schon von Anfang an, baute Er Hinweise bezüglich seiner wahren Sexualität in seinen Texten ein. Wie beispielsweise in Odd Futures Track „Oldie“:

I’m hi/high and I’m bye/bi, wait I mean I’m straight.

Ein kleiner Hinweis, der mittlerweile offensichtlich erscheint aber so subtil war, dass ihn bis zur Veröffentlichung von Channel Orange, niemand wirklich als diesen wahrnahm. Weniger als eine Woche vor der Veröffentlichung seines Debütalbums schrieb Frank einen Brief, den er später auf seinem persönlichen Tumblr veröffentlichte. In diesem Brief offenbarte Er seine Gefühle gegenüber einem Mann, den Er vor vier Jahren kennen lernte:

4 summers ago, I met somebody. I was 19 years old. He was too. We spent that summer, and the summer after, together. […] By the time I realized I was in love, it was malignant. It was hopeless. There was no escaping. No negotiating with the feeling. No choice. It was my first love, it changed my life. […] Imagine being thrown from a plane. I wasn’t in a plane though. I was in a Nissan Maxima, the same car I packed up with bags and drove to Los Angeles in.

So umstritten Young Thugs Musik auch sein mag, seine Einstellung bezüglich Homosexualität hat Vorbildcharakter. Das Cover seines neusten Album „Jeffrey“ war bewusst provokativ ausgewählt. Zusehen ist ein Mann – ein Rapper um genauer zu sein – welcher ein Kleid trägt. Für viele das erste Anzeichen eines Transgender, jedoch nicht für Young Thug:

In my world, you can be a gangsta with a dress or you can be a gangsta with baggy pants. I feel like there’s no such thing as gender.

Seine oft provokativen Outfits beweisen es, wie damals, als er ein „Girl Top“ trug. In der traditionellen Verwendung des Wortes „Gangster“, wäre ein Mann, der solch extravagante Kleidung trägt, kein Gangster.

Während sich Größen wie Kanye West, A$AP Rocky, Jay Z, Kid Cudi oder The Game pro LGBT äußern, wird dieser Teil der Gemeinschaft wahrscheinlich nie die vollständige Akzeptanz der Gesellschaft erfahren können. Auch heutzutage gibt es noch Länder wie Saudi-Arabien, in denen man für seine sexuelle Orientierung hingerichtet werden kann. Trotz alledem gibt es auch positive Entwicklungen zu verzeichnen. So wird AIDS mittlerweile als normale Krankheit behandelt, die jeder bekommen kann und nicht mehr als Bestrafung für Schwule angesehen. Auch die gleichgeschlechtliche Ehe kann in den USA sowie in vielen anderen Ländern, mittlerweile legal praktiziert werden. Wir befinden uns auf dem richtigen Pfad, sowohl für die Musik als auch für unsere Gesellschaft.