Frank Oceans Chanel ist ein mutiges Bi Statement

Frank Ocean hat schon immer Trost in der Ungewissheit gefunden. In den Grauzonen, wo die Grenzen sich verwischen und uns den einfachen Antworten berauben. Er hat die seltene Gabe, die Verbindung zwischen Erfahrungswerten und Emotionalität, verständnisvoll zu vermitteln.

Auf „Chanel“, seiner neusten Single, zeigt Ocean dieses Talent in einem Lied, welches geprägt ist von Materialismus und Erfahrungswerten. Begleitet von einem langsamen Klavier, streift er Stück für Stück die Schichten seines nicht zu Ruhe kommenden Geistes ab und offenbart uns Einsichten in seine Bisexualität.

My guy pretty like a girl; And he got fight stories to tell.

Bis hin zu den Gefahren von Lean-Missbrauch, welche Er mit dem folgendem 21 Savage Meme formuliert:

With a cup in a cup, Actavis; That’s a double edge, issa knife.

Einige seiner Phrasen spalten sich ganz bewusst von dem Gesamtkontext ab und bieten Einblicke in einen eigenen kleinen Kosmos. Sei es die Shibuya Station in Tokio oder seine eifrige Online-Community bestehend aus passionierten Fans. Andere wieder herum, behandeln komplexere Geschichten wie beispielsweise der stetige Anstieg seiner Bekanntheit und die damit neu gewonnene Unabhängigkeit.

Die Produktion ist unaufdringlich, sie verblasst fast schon ein wenig in der Ferne. Jedoch ist Oceans Stimme die eindrucksvolle Gegenwart, welche mit jeder Note die Weite füllt.

In dem selben Atemzug rühmt er sich damit, Rucksäcke voll mit neuen Kollaborationen zu haben – seien dies nun Klamotten oder Musik, lässt er weiterhin offen. Für ihn sind beides Zahlungsmittel, in einem neu geschaffenen Raum, welchen er als selbsternannter Superstar dominiert.

Auch wenn Frank sich schon des öfteren öffentlich für seine Bisexualität aussprach, hielt er sich in seinen Songtexten meist bedeckt. „Chanel“ hingegen ist ein klares Statement – eine „coming-out“ Hymne wenn man es so formulieren mag. Frank spricht explizit über sich und nicht über die Gefühle, für eine andere Person. Jede Wiederholung von „I see both sides“ ist die Bestätigung für die Liebe beider Geschlechter.

Frank spricht nicht einfach über seine Bisexualität, er macht sie modern. Er setzt diese sexuelle Orientierung mit Chanel gleich – Bisexualität ist jetzt High Fashion. Es ist diese Selbstwertsteigerung, die „Chanel“ zu einem wichtigen Bestandteil des gegenwärtigen Kampf gegen Biphobie macht.