Die besten Newcomer des Jahres 2017

Das Jahr 2017 ist ein Fingerzeig dafür, wie schnelllebig die Musikindustrie heutzutage agiert. Unabhängig davon, ob die Künstler schon seit geraumer Zeit aktiv sind oder ihre Karriere mit scheinbar sofortigen Erfolg starteten, ist jeder Musiker auf dieser Liste eine treibende Kraft gewesen, welche die Musik in neue Sphären stieß.

Dieses Jahr brachte uns Popstars, Kinderzimmerproduzenten mit DIY-Mentalität, asiatische Künstler und die größte Auswahl an Hip-Hop Auswüchsen, die wir je gesehen haben. Ungeachtet des Genres brachte dieses Jahr besonders viele neue Künstler hervor. Es ist eine aufregende Zeit, sich musikalisch zu verwirklichen und es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, eine Karriere zu starten. Die Vielfalt an Klang-, Stil- und Karrieremöglichkeiten auf dieser Liste macht diesen Punkt deutlich. Hier sind die besten neuen Künstler des Jahres 2017.


Trippie Redd

Trippie Redd ist einer der besten Kandidaten, um die Fackel als den wildesten, produktivsten und emotionsgeladensten Rapper des Internets emporzuhalten. Im Jahr 2017 veröffentlichte er zwei Mixtapes mit Albumformat, „A Love Letter to You“ und „A Love Letter to You 2“, ein Gemeinschaftsprojekt mit Lil Wop und zusätzlich eine Teaser-EP mit dem Namen „A Love Letter You’ll Never Get“. Obwohl er keinerlei Scheu zeigte, auf Tracks wie „Hellboy“ und „Chair Falling“ härter und düsterer zu klingen, zeigte er auch eindrucksvolle Pop-Facetten auf dem Travis Scott Collabo Track „Dark Knight Dummo“, ließ sein Radio-Potential auf „Back of My Mind“ durchblitzen und landete mit „Bust Down“ einen viralen Hit. Mit gerade mal 18 Jahren und einer Menge an noch nicht vollends ausgeschöpften Potential, ist der Schritt in den kommerziellen Mainstream kein weiter mehr. Schau dir unser Interview mit Trippie Redd hier an.

Wifisfuneral

Source: Jenny Abrams
Geboren in der Bronx und aufgewachsen in Florida, hat Wifi sich in der Grunge-ähnlichen Musikszene dieser Gegend zusammen mit Rappern wie Smokepurp und Ski Mask the Slump God einen Namen gemacht. Sein „Where Hell Falls“ Mixtape veröffentlichte er im Januar, im August folgte dann „Boy Who Cried Wolf“. Zwei Projekte, die die Kritiker immer weiter verstummen ließen. Immer wieder wurde ihm eine mangelhafte, technische Umsetzung attestiert.

Doch Wifi ist mehr als das, er ist ein nachdenklicher Lyriker mit beeindruckenden Textvariationen. Mit all dieser überschüssigen Energie und der Intensität in Wifis Musik, bleibt es abzuwarten, wohin ihn das nächste Jahr führen wird.

 

 

Choker

Source: Tyler Smith

Der aus Michigan stammende Rapper und Produzent hatte mit eines der besten Debütalben des Jahres 2017. Das genrefremde Debüt PEAK ist ungeschliffen und allgegenwärtig, zugleich aber auch randvoll mit guten Ideen und die Tatsache, dass er das Projekt alleine in seinem Zimmer erstellt hat, ist überwältigend. PEAK ist nur der Anfang.

 

Deem Spencer

Source: Quentin Humphrey

Deem Spencer ist etwas Besonderes. Ich kann mich nicht an das letzte Mal erinnern, als ein neuer Künstler mich mit einem Song zu einem regelmäßigen Zuhörer machte. Spencer bewies seinen Einfallsreichtum und Humor mit einer Handvoll lebhafter Visuals und einer in 2016 erschienenen EP mit sechs Liedern. Dieses Projekt mit dem Namen Sunflower zeichnet sich durch seine fantasievollen Textpassagen aus (“I lost my dog in a cyclone”), überzeugt mit einer hypnotischen Produktion und schließt das Ganze mit frei assoziativer Lyrik ab.

 

Clairo

Source: Angela Ricciardi
Es ist nicht schwer zu verstehen, warum die 19-jährige Sängerin Clairo aus Boston ein durchaus erfolgreiches Jahre 2017 hatte – jedoch ist es bemerkenswert, wie sie es geschafft hat. Das Video zu ihrem Song „Pretty Girl“, das heute über sechs Millionen Aufrufe hat, entstand an einem Tag, an dem sie nicht einmal das Bett verlassen wollte. In ungefähr dreißig Minuten erstellte sie das charmante Video, mit der Erwartung, vielleicht 5.000 Aufrufe zu generieren.
Es ist typisch 2017, dass ein Künstler über Nacht wahnsinnig viel Aufmerksamkeit erzeugen kann, jedoch schaffte es Clairo ohne Kontroversen oder Provokationen. Sie spricht eine Generation von Zuhörern an, die überwiegend im Internet aufgewachsen ist.

 

 

Playboi Carti

Source: GQ

„Young Carti global“ erklärte Playboi Carti auf seinem Smash-Hit „Magnolia“. Keine Übertreibung wie es sich rückblickend feststellen lässt. Kurz nach der Veröffentlichung seines selbst betitelten Debüt-Mixtape Playboi Carti, im April 2017, war Carti überall. „In New York I milly rock“ im Verbund zusammen mit dem Tag von Produzent Pierre Bourne, „Yo Pierre, you wanna come out here?“ prägten diverse Streaming-Playlisten des diesjährigen Jahres.

Man füge unverwechselbare Ad-libs, Charisma und Kollaborationen mit ASAP Rocky, DRAM und Lil Uzi Vert hinzu und schon stand das Fundament für ein erfolgreiches Carti Jahr.

 

Squidnice

Squids ungewöhnlicher Recording-Stil – prägnante Takte, die sich hymnenhaft durch recycelte Echos zusammensetzen – und seine obskure Außendarstellung sind erfrischend neu, in einer Welt, die von Nachahmern überschwemmt ist. „Trap By My Lonely“ brachte den Ball ins Rollen und Squid lieferte im Herbst mit der The Craccen EP nach. Dies blieb nicht ungehört: Frank Ocean’s Blonded Radio zeigte Liebe, Kehlani ist ein Fan und seine wachsende Fanbase ist mehr als bereit für neue Veröffentlichungen.

 

 

Sigrid

Den Trend von skandinavischer, zukunftsorientierter Pop-Musik, setzte Sigrid mit einem meiner Lieblingslieder des Jahres „Do not Kill My Vibe“ fort. Im Alter von gerade mal 20 Jahren ist der Stern von Sigrid noch nicht im Besitz einer herausstechenden Leuchtkraft, aber mit ihrer gut abgerundeten Debüt-EP hat sie ihren ersten Schritt in Richtung Pop-Universum gemacht. Alles was sie bisher gezeigt hat, deutet auf einen dynamisch vielseitigen Künstler hin, welcher die Weichen in Richtung einer langanhaltenden Karriere gestellt hat.

 

Killy

Den aktuellen Rap-Trend entsprechen und trotzdem noch originell sein? Irgendwie hat der aus Toronto stammende Rapper das innerhalb der ersten 60 Sekunden seines viralen Hits für „Killamonjaro“ geschafft. Während der düsteren, boomenden Produktion rezitiert er melodische, hypnotische Lines, bevor er das Ganze mit eingängigen, in Autotune getränkten Bars steigert.

Killys Sound ist vertraut genug, um sofort ins Ohr zu gehen – der starke Travis Scott Einfluss ist nicht zu leugnen. Killy versteht, worum es im Jahr 2017 ging: Impulsive und Energie geladene Musik. Hinzu kommt, dass er das ganze Jahr über kein schlechtes Lied geschrieben hat.

 

Ski Mask The Slump God

Was kann man über Ski Mask The Slump God sagen? Anfang 2017 dachte ich, er wäre ein weiterer Florida-Rapper, der den SoundCloud- und XXXTentacion Hype nutzt. Am Ende des Jahres war jedoch klar, dass er so viel mehr als das ist. Face tats, ungemasterte Tracks und übertriebener Bass beiseite, ist Ski Mask The Slump God ein Rapper mit dem Potential, sich einen Platz in den oberen Rängen des Rap-Olymps zu verdienen. Er ist ein selbsternannter Perfektionist und diese Eigenschaft zwingt ihn förmlich dazu, all seine Energie in jeden unvorhersehbaren Schritt zu stecken.

Die Live-Shows von Ski Mask sind fantastisch und die Qualität seiner Tracks, werden mit jeder Veröffentlichung besser. Langsam aber sicher distanziert er sich immer mehr von seinen alten Weggefährten und den Stigmata des SoundCloud-Rappers. Es ist bereits offensichtlich, dass sein Potential für eine ernsthafte Karriere als Künstler, ihn zu viel größeren Dingen führen wird.

 

Thutmose

Im Alter von neun Jahren flüchtete Thutmose gemeinsam mit seiner Familie von Nigeria nach Brooklyn. Eine Kernkraft Explosion in Lagos löste damals eine Flüchtlingswelle los, welche eine Vielzahl an Familien entwurzelte. Zurück im Jahr 2017, findet sich ein hungriger Thutmose mit frischen Sound und einer Portion Weisheit wieder. Wenngleich sein Name noch nicht in aller Munde ist, sollte sein Gespür für Hit-Singles, auch den letzten Zuhörer in 2018 wecken. Wer konstant so viel Qualität raus bringt, bleibt nicht lange unentdeckt.

 

 

Yaeji

Die Produzentin, Sängerin und bildende Künstlerin hat einen Sound und eine Ästhetik entwickelt, dass man denken könnte, dass diese schon seit einem Jahrzehnt existiert. Ihre gedämpfte und zugleich treibende, tanzbare Musik sorgt für eine unvergleichbare Kombination. Yaejis Mischung aus NYC und Seoul ist einzigartig und Produkt ihrer Umgebung und Herkunft. Mit koreanischen und englischen Texten, die von House und Hip-Hop inspiriert sind, hat sie sich gerade zu einem der vielversprechendsten Acts in der Dance-Musik entwickelt.