Travis Scott und der Tod des Rap-Genre

Klar und deutlich habe ich noch mein 13-jähriges, pubertäres Ich vor Augen. Ein super cooles Bloods Bandana um den Kopf gebunden, dazu ein neongelbes Shirt (in XL) mit grünem Puma Schriftzug und natürlich noch die sporadischen Baggy Pants dazu. Noch heute schaudere ich, wenn ich daran zurückdenke.

Doch damals eiferten wir alle unseren Rap Ikonen nach. Wir, das ist der Teil einer Generation, die unter anderem mit Rappern wie Jay Z und 50 Cent aufgewachsen ist – zwei Künstler, die dich niemals vergessen ließen, dass es ihr größtes Ziel war, den Hip-Hop Olymp zu erklimmen.

Mumble Rap war damals kein Thema, welches Gespräche rund um den Hip-Hop Kosmos dominiert hatte. Man legte mehr Wert auf „Bars“ anstatt auf „Vibes“. Irgendwo entlang dieser geradlinigen Definition von Hip-Hop, trat jedoch eine Verschiebung auf, die postmoderne Künstler dazu veranlasste, die Bezeichnung „Rapper“ abzulegen.

Jüngstes Beispiel: Travis Scott. In einem kürzlich veröffentlichten Interview mit dem französischen Magazin „Numero“ hatte Scott folgende Aussage zum Thema Rap getätigt:

What the fuck is a rapper? I dunno. A country singer, it doesn’t mean anything anymore. No one is a country singer unless he wants to get stuck in one single genre. Me, I sing, I rap, I do beats, I sometimes make videos. Labels piss me off.

Worte, welche Childish Gambinos kürzlich getätigten Aufruf untermauern: Tod den Genres!

Mit Travis Scott, Desiigner, Lil Yachty und Bino haben wir derzeit eine ganze Bewegung an Künstlern, die sich in jeglicher Form von dem „limitierten“ Rap-Genre distanziert. Auch etablierte Hip-Hop Größen wie Kendrick Lamar, welcher für seine Lyrik bekannt ist, hat sich dafür ausgesprochen, nicht mehr als Rapper bezeichnet zu werden.

Dahinter steht jedoch keine bösartige Intention, die Hip-Hop Kultur zu begraben. Während sich viele Künstler mit der Kultur und dem Lebensstil des Hip-Hop identifizieren können, sind es die musikalischen Einschränkungen, von denen sie sich abwenden wollen.

Nachdem das Ende der „goldenen Ära“ des Hip-Hops eingeläutet wurde, stand auch ich dieser Entwicklung etwas zwiespältig gegenüber. Rückblickend muss ich mir aber eingestehen, dass die größten Schöpfungen des Hip-Hops, aus Grenzüberschreitungen, neuen Ideen und Klängen resultierte.

In dieser Hinsicht liebe ich das verwischen von klaren Linien und glaube wirklich, dass die stätige Implementierung von neuen Einflüssen, Stilen und Fertigkeiten, den Hip-Hop als musikalischen Stil und Kultur immer wieder neu definieren wird.

Jedoch scheint das Meinungsbild, welches Hip-Hop als langweilig und eingeschränkt darstellt, immer mehr an Zuspruch zu gewinnen. Das dem nicht so ist, kann man ganz gut an dem Beispiel von Lil Uzi Vert sehen.

Auch wenn dieser keine Sympathie für dieses Genre entwickeln konnte, gab ihm Rap die Möglichkeit, sich eine Fanbase aufzubauen, mit der Er sein Geld verdient. Wenn Rap-Fans sich nicht für Lil Uzi Vert interessiert hätten, wäre er nicht einer der einflussreichsten Künstler des heutigen Rap-Game. Es war nicht das Pop-Punk-Publikum, welches ihm dazu verhalf, dieses Level zu erreichen.

Ein Künstler zu sein, setzt einen mehrdimensionale Weitblick für das bestrebte Handwerk vor raus. Wenn du meinst, dass es der Szene an Vielfalt mangelt, dann ändere es und mache nicht eine gesamte Kultur für den Mangel an Inspiration und Fantasie verantwortlich.